
Es gibt die unterschiedlichsten Gründe sich auf Pilgerreise auf dem Jakobsweg zu machen. Karl-Heinz Barth wollte diesen Weg eigentlich erst in der Rente auf sich nehmen. Die Diagnose MS änderte seine Pläne. Nachdem er wieder fit genug war gab es kein Aufschieben mehr. Diese Wanderung sollte in Angriff genommen werden solange es die Gesundheit noch zulässt! Und so machte er sich auf den langen Weg. Nicht in einem Stück, sondern über mehrere Jahre verteilt, immer eine Etappe von rund 21 Tagen. Start war in seinem Heimatort Regen. Von dort ging es zu Fuß über den Guntersteig nach Passau und über Altötting, Schliersee und Murnau bis nach Lindau, dem Ende der ersten Etappe. Täglich legte er im Schnitt 25 km zurück. Bei seiner Pilgerwanderung nahm er die Natur viel intensiver wahr als wenn er z. B. im Auto unterwegs gewesen wäre. Seine Eindrücke hielt er in tollen Bildern fest, welche die Schönheit der durchwanderten Landschaften zeigten. Barth berichtet von den Problemen die Wäsche unterwegs zu waschen und zu trocknen. Aber für beides gab es eine Lösung: zum Waschen diente ein faltbarer Fischereimer, wenn es keine Waschmaschine gab und zum Trocknen erfand er ein Gestell, den Jackson-Dreyer, eine Wäscheleine für den Rucksack. Während der erste Entwurf noch aus Metall und relativ schwer war, ist die zweite Version aus KG-Rohren zusammengesteckt und wesentlich leichter. Kein unwesentlicher Vorteil bei den Strecken, die er täglich zurücklegte. Mittlerweile ist ein mit dem 3D-Drucker produzierter Trockner in Erprobung. Dieser soll nochmals etwas leichter werden – und eventuell eines Tages zu kaufen sein. Die nächste Etappe ging von Lindau über Bregenz, Luzern, Bern Lausanne nach Genf, wo er sich vor der Heimreise die Stadt etwas genauer anschaute und einen Tag länger blieb. Der dritte und vorerst letzte Teil der Reise ging vom schweizerischen Genf ins französische Aumont-Aubrac. Besondere Erlebnisse auf deiner Pilgerwanderung waren die Gespräche mit anderen pilgernden und mit Menschen die er auf seinem Weg traf. Hierbei war eine Übersetzungs-App oft sehr hilfreich. Seine Eindrücke schrieb er in einem akribisch geführten Pilgertagebuch auf. Die Eintragungen erfolgen mit Bleistift, weil dieser entgegen eines Kugelschreibers bei Nässe nicht verwischt. Bart berichte auch von seinen Erlebnissen bei der Herbergssuche, die nicht immer einfach war, aber ein Platz zum Übernachten fand sich schließlich doch jede Nacht. In Frankreich wurde es leichter, da hier der Jakobsweg besser ausgeschildert ist und auch mehr Übernachtungsmöglichkeiten speziell für Pilger angeboten werden. Auch beim Bahnfahren vom jeweils vorläufigen Zielort nach Hause bzw. zum neuen Startpunkt lief nicht alles auf geraden Schienen. Hier ein verspäteter Zug, dort in der Folge ein verpasster Anschluss. Die Begeisterung am Pilgern auf dem Jakobsweg konnte ihm das jedoch nicht vermiesen. Im Gegenteil, es erweckte in ihm eine neue Leidenschaft: das Pilgern an sich. Er ließ sich deshalb zum Pilgerbegleiter ausbilden und möchte so das Pilgern auch anderen näherbringen.